Was bewirkt das Tai Chi Chuan?


Tai Chi Chuan belebt und kräftigt immer den ganzen Menschen. Es wird zu den sogenannten inneren Künsten gezählt. Das bedeutet, dass alle Veränderungen wie ein junger Spross von Innen nach Außen wachsen können:

• der Energiefluss (das CHI) wird harmonisiert und genährt
• die natürliche Symmetrie des Körpers wird gestärkt
• das Starre wird geschmeidig und das Schwache wieder stark
• mehr Leichtigkeit für den Geist und Kraft für den Körper


Woher kommt Tai Chi Chuan und welche Bedeutung hat es?


Das Weiche besiegt das Harte - der Weg des Tai Chi Chuan

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Der Legende nach hatte in China der daoistische Mönch Chang San-Feng den Kampf zwischen einer Schlange und einem Vogel beobachtet. Er stellte dabei fest, dass das Weiche (Schlange) das Harte (Vogel) bezwingen kann. Das daraus entwickelte Tai Chi Prinzip bedeutet im übertragenen Sinn, dass Geschmeidigkeit nachhaltiger und damit lebensbetonter (gesünder) ist, als die Entwicklung und die Pflege von starren Widerständen. Eine Qualität, die über den Aspekt des Kampfes und der herkömmlichen Selbstverteidigung hinaus geht. Durch die Verwurzelung des TCC im Daoismus, gewinnt die Metapher, das Weiche besiegt das Harte, besondere Bedeutung.

Im Daoismus ist man auf den ursprünglichen Einklang bedacht. Das bedeutet sehr vereinfacht ausgedrückt, man ist der tiefen Überzeugung, dass es keine wirkliche Aufspaltung, bzw. Trennung der Welt in Subjekt und Objekt gibt, wie z. B.: Der Mensch ist hier und die Natur ist dort. Diese Trennung (das Harte) sei letztendlich nur ein geistiges, bzw. sprachliches Konstrukt, was der Schaffung einer Illusion gleichkommt. Und eben diese Illusion (Aufspaltung) beeinflusst die Wahrnehmung des täglichen Lebens und das persönliche Selbstbild. In Wirklichkeit ist alles miteinander verbunden und damit Eins. Das zu erkennen und schließlich zu erfahren löst das Harte auf und bringt das Weiche (Einklang) hervor.

Dieser Gedanke verdeutlicht den Geist und den Weg des Tai Chi, wieder „zurück“ zur Einheit zu finden, hin zum einfachen und natürlichen Zustand des Seins. Johann Wolfgang von Goethe hat es wunderbar formuliert: „Um zu begreifen, dass der Himmel blau ist, braucht man nicht um die Welt zu reisen.“ So braucht es beim Tai Chi ebenfalls sehr wenig, denn alles ist schon da.


Was heißt Tai Chi Chuan?

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Tai Ch Chuan (auch Tai Ji Quan) stammt aus China. Es lässt sich allerdings nicht in gewohnter Weise übersetzen, da es der deutschen Sprache dazu einfach an Worten mangelt. Tai Chi Chuan wird daher beschrieben als: „Das höchste Letzte“ und wird durch das Bild von Yin und Yang symbolisiert, die sogenannte Monade. Damit wird das immerwährende Wechselspiel der Gegensätze auf allen Ebenen des Seins verdeutlicht.
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Befinden sich diese Polaritäten im Gleichgewicht, ist Harmonie erreicht. Tai Chi ist allerdings kein Sport, keine Wellnesstechnik, medizinische oder andere therapeutische Methode. Tai Chi Chuan ist ein ganzheitlicher Weg der Lebenspflege, der Gesundheit und der Verteidigungskunst, eingebettet in daoistische Philosophie.



Der historische Ursprung

Die Wurzeln des Tai Chi Chuan lassen sich bis in die Zeit der Tang-Dynastie (China 618-907 n. Chr.) zurück verfolgen. Als Begründer gilt Chang San-Feng. Es wird aber vermutet, dass diese Wurzeln wesentlich weiter und sogar in andere Kulturströmungen zurück reichen. Möglicherweise stellt Tai Chi eine chinesische Weiterentwicklung früher indischer Kampfstile dar.
Leider sind viele wertvolle Schriften und Dokumente durch Kulturrevolutionen und andere gesellschaftspolitische Umbrüche verschwunden. Einiges wurde dem herrschenden Zeitgeist angepasst, manches zerstört, Lehrende vertrieben oder gar getötet. Eine historische und lineare Rekonstruktion ist schwierig. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in der Folge verschiedene Mythen, Märchen und Idealisierungen entstanden sind.


Die weitere Entwicklung des Tai Chi Chuan

Die ursprünglichen Formen (Form: eine festgelegte Reihenfolge verschiedener Bewegungen und Prinzipien) wurden im Laufe der Zeit verändert. Das führte über Generationen hinweg zur Entwicklung vieler unterschiedlicher Stile. Einige verschwanden im Strudel der Geschichte. Zu den heutigen, populären Richtungen zählen der Chen-Stil (die älteste bekannte Form), der aus ihm hervorgegangene Yang-Stil (kurze u. lange Form), der Wu-Stil, das Wudang Michuan, die Pekingform und andere.


Tai Chi Chuan heute - eine kritische Betrachtung

Tai Chi Chuan gelangte vor einigen Jahrzehnten nach Deutschland. Allerdings hat sich hierzulande die Betrachtungsweise im Laufe der Jahre geändert. So findet durch Krankenkassen, Wellnessindustrie und Co eine Fixierung auf diverse Einzelaspekte statt. Dieses Bestreben signalisiert leider mehr Unverständnis als wirkliches Verstehen. Eine Reduzierung auf medizinisch verwertbare Inhalte, oder eine Aufspaltung in kommerziell Nützliches erzeugt zweifelhafte Botschaften. Jene Botschaften werden dem TCC, wie auch dem Yoga, Zen, dem Qi Gong u.a. nicht gerecht. Denn der angestrebte (ursprüngliche) Einklang, das Ganz-Sein, unterscheidet sich grundsätzlich von dem, was unsere Gesellschaft je nach Lifestyle und Wirtschaftslage als „ganzheitlich“ definiert, gebraucht oder vermarktet.



Der Weg und die Wirkungen des Tai Chi Chuan: Harmonie - Einheit - Natürlich